Kaffee.

Kaffee. Ein Getränk, das von vielen getrunken wird.  Mal schwarz, mal mit Zucker, gerne mit Milch und manchmal mit Zucker & Milch. Ich trinke gerne Kaffee, viele in meiner Umgebung auch. Man trifft sich gerne mit Leuten um einen Kaffee zu trinken oder man hat sogar ein Date und lädt die Person auf einen Kaffee ein.

Wie man sieht ein harmloses Wort, das eigentlich nur ein Getränk beschreibt.  Leider habe ich dieses Wort einmal mit einem sehr bösen Unterton zu hören bekommen.

Ich war damals noch in der Grundschule. Mein deutsch war noch nicht so gut und ich hatte Schwierigkeiten alles zu verstehen. Trotzdem gab ich mein bestes dazu zugehören.

Ich kann dieses Moment einfach nicht vergessen. Es war für mich ein Schockmoment. Ich wusste nicht wie ich reagieren soll und ausreichend Sprachkenntnisse hatte ich auch nicht.

Ich stand an einem Tisch, wir hatten gerade alle Zeit gehabt uns mit Lernspielen zu beschäftigen. Die Lehrerin sagte dann, dass wir uns nun hinsetzen sollen, denn der Unterricht geht weiter. Ich weiß nicht ob ich das überhört hatte oder ob ich einfach bisschen länger brauchte um den Satz zu verstehen.

Jedenfalls machte ich kurz weiter mit meinem Spiel und ein Klassenkamerad drehte sich zu mir und sagte: „Hast du nicht gehört, Kaffee. Wir sollen uns hinsetzen!“    Noch nie hat jemand das Wort Kaffee so abfällig und böse ausgesprochen wie dieser Junge.

Ich stand da und war verletzt, ich wusste nicht was ich sagen soll. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich in der Klasse trotz allem nicht bei jedem ankam. Der Grund war nicht mein Verhalten, sondern meine Hautfarbe. Etwas womit ich geboren bin, etwas das für immer so bleiben wird.

Dieser Moment hat mich sehr geprägt. Ich habe mich so gehasst gefühlt auf Grund dieser Aussage. Ich habe dieses Ereignis nie vergessen. Jedes Mal wenn jemand mich nicht mochte, dachte ich es hängt mit meinem dunklen Teint zusammen. Selbstbewusstsein gewinnt man dadurch nicht.

Heute lache ich drüber und wenn ich die Geschichte erzähle, sage ich in einem Nebensatz immer: „Dabei bin ich doch eher ein Latte Macchiato.“

Auch wenn es jetzt nicht verletzend ist, so war es damals. Auch wenn viele sagen, ja Kinder sind schon gemein. Das entschuldigt eine solche Aussage nicht.  Kinder sollten so gar nicht erst denken.

Worte sind schmerzhaft. Ich könnte diesen Jungen heute nicht hassen. Aber Freunde könnten wir auch nicht werden.

Ich frage mich bis heute, wie ein Grundschulkind auf eine solche Idee kommt. Und wieso so viel Boshaftigkeit in seiner Stimme steckte.

Kaffee. Eigentlich ein Wort, das man mit positiven Dingen verbindet aber für mich auch eine unschöne Erinnerung ins leben ruft.

(Bild: https://www.parallel-dream.de/)
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„Du bist zu deutsch…“

Manchmal denkt man zu viel über Dinge nach die auf den ersten Blick eher unwichtig sind.

In diesem Fall geht mir der Satz: „Du bist zu deutsch.“ nicht aus dem Kopf. Ein Bekannter sagte das zu mir. Ich fühlte mich komisch als ich das hörte. Was genau ist zu deutsch und kann man zu deutsch sein als Ausländer? Und wäre das nicht sogar was gutes? Ich finde es ist nicht schlimm gewisse Dinger aus seiner neuen Heimat zu adaptieren. Ich lebe schließlich auch schon länger hier als in Brasilien.

Aber warum hat mich damals aber so getroffen?

Naja,  zunächst ist es immer schwer für mich zu hören, dass ich nicht brasilianisch genug bin in den Augen anderer. Es ist schwer die eigene Persönlichkeit zu definieren, wenn man nie weiß wohin man genau gehört. Egal wie man sich verhält, man ist immer anders. Es ist eben schwer, das immer wieder vor Augen  geführt zu bekommen.  Jeder Mensch will was besonderes sein und für mich war das Besondere an mir eben meine Wurzeln.

Heute würde mich das nicht so schwer treffen. Ich weiß, dass ich nicht nur meine Nationalität habe. Ich spreche akzentfrei deutsch und sehe brasilianisch aus. Ich kombiniere die deutsche Pünktlichkeit mit der brasilianischen Gelassenheit.

Brasilien ist meine Heimat, da komme ich her.

Deutschland ist mein zu Hause, hier lebe ich.

Identitätsverlust

Zu wissen wer man ist, ist ein Privileg.

Zu wissen wohin man gehört, ist ein Luxus.

Das Herz nur an einem Fleck zu haben, ist Frieden.

Privileg, Luxus, Frieden

Alles was mir fehlt.

Das Herz gespalten

Die Seele zerstreut

Heimat ein Wort ohne Bedeutung.

Jeden Tag auf der Suche.

Jeden Tag ein Versuch dazuzugehören.

Das habe ich am 19.02.2017 geschrieben als mich meine Gedanken nicht in Ruhe lassen wollten. Manchmal können Worte einen sehr schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Manche  Menschen wissen nicht, dass auch nicht ernst gemeinte aussagen eine Wirkung  haben.

Man versucht es nicht ernst zu nehmen aber wenn man schlaflos im Bett liegt, dann kommt alles hoch und man überanalysiert und hinterfragt alles.

Zwischen zwei Stühlen

Schon mal das Gefühl gehabt, dass du nicht dazu gehörst? Anders zu sein, zwar gut anders aber dennoch anders. Akzeptiert und dennoch nicht dazugehörig?

Man sitzt zwischen zwei Stühlen und eigentlich fühlt man sich wohl aber man fühlt immer diese Lücke zwischen den Stühlen. Man spürt sie nur manchmal, selten merkt man es selber, immer nur dann wenn andere dich darauf hinweisen.

Und wenn du darauf hingewiesen wirst, spürst du die Lücke. Sie wird größer, du hast das Gefühl zu fallen und fühlst dich gezwungen dich zu entscheiden. Linker oder rechter Stuhl?

Würde es hier wirklich um Stühle gehen, dann wäre es eine leichte Entscheidung. Schließlich wäre es nur ein Stuhl und somit egal ob links oder rechts. Aber hier geht es um Heimat. Bin ich deutsch oder bin ich brasilianisch? Laut Pass bin ich beides.  Laut meinem Herzen auch. Für die Brasilianer bin ich die, die in Deutschland wohnt und kaum noch brasilianisch ist und für die deutschen bin ich entweder die Brasilianerin oder die deutsche mit Migrationshintergrund. Nie bin ich nur das eine oder nur das andere. Immer etwas mit etwas.

Es ist schwer zu wissen wohin man gehört, wenn man nie wirklich nur eins sein kann. In Brasilien hört man, dass ich im Ausland aufgewachsen bin. Ich rede anders.

In Deutschland sieht man, dass ich anders bin, denn ich bin woanders geboren und habe eine dunklere Hautfarbe als die meisten Deutschen. Ich sehe anders aus.

Immer bin ich anders. Für viele sehe ich nicht brasilianisch aus, was auch immer das heißen soll. Für andere bin ich schon zu deutsch auch hier weiß ich nicht was das heißen soll.

Was soll ich sein? Wie soll ich sein? Und wird es jemals genug sein, um nur eins zu sein? Werden die Stühle jemals zusammenwachsen und zu eins werden? Oder bleiben sie für immer getrennt… egal wie nah sie beieinander stehen?

Im Moment weiß ich es nicht, ich wünschte ich wüsste es. Die Lücke wird größer und das Gefühl zu fallen, raubt mir die Luft und ich bin dabei zu ertrinken.